AEK onyx AG

Visualisierung des neuen Werkhofs in Luterbach

Visualisierung des neuen Werkhofs in Luterbach

«Das ist ein Bekenntnis zum Werkplatz Solothurn»

Die Berner Energiegruppe BKW baut derzeit auf dem bestehenden Geländer der BKW-Konzerngesellschaft AEK onyx in Luterbach ein komplett neues Lager- und Logistikzentrum. Von Luterbach aus wird künftig das Marktgebiet in der Nordwestschweiz und dem Mittelland bedient. Die gesamte Investition für den Werkhof beträgt 15 Millionen Franken. «Daraus leitet sich ein Bekenntnis zum Werkplatz Solothurn ab», sagt Walter Wirth, CEO der AEK onyx AG mit Hauptsitz in Solothurn, im Interview.

Was plant der Energiekonzern BKW auf dem Areal der AEK onyx in Luterbach?

Walter Wirth: In Luterbach wird ein neuer Werkhof für die BKW sowie die Konzerngesellschaften AEK onyx, den Netzbauer Arnold und BKW AEK Contracting gebaut. Es ist aber nicht bloss eine Lagerhalle, sondern ein Logistikzentrum für die vier Firmen. So entstehen neue Büros, ein Stützpunktgebäude für Netzbaumonteure, eine Materiallagerhalle und LKW-Unterstände für die optimale Wartung der Netzanlagen. Von Luterbach aus wird künftig das Marktgebiet in der Nordwestschweiz und dem Mittelland bedient. Ein Hauptziel ist es, bei einem Störfall in dieser Region rasch vor Ort zu sein mit genügend Material und Personal.

Wie hoch sind die Gesamtinvestitionen für den Neubau?

Die BKW investieren insgesamt 15 Millionen Franken. Das ist zwar viel Geld für ein Lager- und Logistikzentrum. Aber durch die Konzentration der Kräfte und die Optimierung der Abläufe der erwähnten Firmen an einem Standort kann die Arbeitseffizienz gesteigert werden und somit wird sich die Investition letztlich rechnen. Die Bauarbeiten verlaufen nach Plan und der Werkhof wird Anfang 2020 eröffnet.

Wie haben Sie die BKW überzeugen können, den Werkhof auf dem bestehenden Gelände der AEK onyx in Luterbach zu realisieren?

Wir konnten sofort den nötigen Platz zur Verfügung stellen. Bereits heute nutzt dort die AEK onyx eine Fläche von 35'000 Quadratmetern und besitzt eine Landreserve von 20'000 Quadratmeter. Dort kommt nun der Werkhof zu stehen. Der Standort Luterbach ist ideal, um das Marktgebiet der AEK und onyx zu bearbeiten.

Gründet die Standortwahl also auch im glücklichen Umstand der Landreserve?

Ja, das ist so. Wir haben 2007 die an den bestehenden Standort angrenzende Landreserve der ehemaligen Zellulosefabrik Borregaard abgekauft. Ursprünglich war dort eine Pelletfabrik für die projektierte Grosssägerei geplant gewesen. Das Projekt hat sich dann zerschlagen. Im Rückblick hat sich dieser Landkauf trotzdem als Glücksfall erwiesen. So kommt es, dass am ersten Standort der AEK – vor 125 Jahren wurde dort das erste Kraftwerk am Aare-Emme-Kanal eröffnet – Neues entsteht.

Was spricht speziell für den Standort Luterbach?

Der Standort ist zentral gelegen und verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Zudem brauchte es keine Umzonung der Reservefläche und die Planung mit den Bewilligungsinstanzen beim Kanton und der Standortgemeinde konnte rasch abgeschlossen werden.

Hat die unmittelbare Nachbarschaft zum neuen Werk der US-Biotechfirma Biogen eine Rolle gespielt?

Zweifellos. Das gesamte Areal der ehemaligen Zellulosefabrik erfährt eine Aufwertung. Biogen sowie andere angesiedelte Firmen wie Vigier und CT-X-Rail bringen Leben, es ist keine verlassene Industriegegend, sondern ein attraktiver Standort. Das war mitentscheidend, weil wir dort dann 140 Mitarbeitende beschäftigen werden.

Steckt hinter dem Neubau auch ein grundsätzliches Bekenntnis zum Werkplatz Solothurn?

Ja. Wir generieren hier Wertschöpfung, schaffen Arbeitsplätze, bilden Lernende aus und zahlen auch Steuern. Daraus leitet sich ein Bekenntnis zum Werkplatz Solothurn ab. Das gilt auch für die BKW, sonst würde man nicht 15 Millionen Franken investieren.

Ist damit das Risiko, dass nach der Vollübernahme der AEK durch den BKW-Konzern der Standort Solothurn aufgehoben wird, beseitigt?

Dieses Risiko hat kaum bestanden. Denn die BKW legten von Beginn weg das Bekenntnis ab, dass ein Energieversorger regional verankert sein muss. Und das war keine leere Floskel. In unserer Branche ist die Nähe zum Kunden zentral. Mit der fortschreitenden Digitalisierung werden die Geschäftsaktivitäten noch beratungsintensiver.

Was ändert sich mit dem Neubau konkret für die AEK onyx AG, welche den Hauptsitz in Solothurn hat?

Daran ändert sich nichts. Hauptsitz der AEK onyx bleibt in Solothurn. Natürlich werden die Prozesse optimiert. Es gibt neu gemeinsame IT-Plattformen oder Servicecenters. Insgesamt zählen die BKW inklusive AEK onyx rund 450'000 Kunden. Da ergeben sich bei Konzentrationen schon Effizienzverbesserungen. Deswegen wird aber nicht ein Geschäftssitz aufgelöst.

Welche Langfriststrategie verfolgt die AEK onyx im Kanton Solothurn?

Ein Wachstum in einem etablierten Markt ist - bezogen auf einen geografischen Ausbau - schwierig. Aber rund um die Energiestrategie 2050 sind wir daran, unsere Position zu verstärken. Ich denke etwa an das Wärmegeschäft, die Elektromobilität oder die Gebäudetechnik. Im Bereich neuer Technologien wollen wir neue Märkte erschliessen. Nach der Übernahme durch die BKW können wir alles aus einer Hand anbieten. Wir sehen uns als innovativer Energielösungsanbieter, um die Energiezukunft zu realisieren.

Bei der Ankündigung der Vollübernahme der AEK in den BKW-Konzern vor drei Jahren haben Sie die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Wie sieht die bisherige Bilanz aus?

In der Summe der «alten» AEK und «alten» Onyx sind es heute mit 245 Angestellten in der «neuen» AEK onyx weniger als vorher. Es muss aber differenziert werden. So wurde der Dienstleistungsbereich gestärkt, um die Zukunftsthemen zu bewirtschaften – das Contracting-Geschäft der BKW wurde in Solothurn konzentriert. Auch im Bereich der Photovoltaikinstallation wurden in Solothurn zusätzliche Jobs geschaffen. Zu einem Abbau wegen Überschneidungen kam es im gesamten Backoffice-Bereich wie Finanzen oder Personal. Aber es kam zu keinen Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen, Abgänge wurden nicht mehr ersetzt.  

Interview: Franz Schaible (im Auftrag der Wirtschaftsförderung), Februar 2019