Spotlight KMU

Wir haben hochspezialisierte und innovative KMU an unserem Wirtschaftsstandort Kanton Solothurn. Es ist Zeit, das Scheinwerferlicht in regelmässigen Abständen auf eines dieser Unternehmen zu richten:

Elblox AG, Olten

  1. Die Elblox AG hat einen digitalen Strommarktplatz entwickelt. Dieser ermöglicht den Vertrieb von Strom aus dezentralen Kraftwerken.
  2. Die Businessidee von Frédéric Maurer und den andern Mitgründern entstand bei einem Management-Workshop innerhalb des Schweizer Energiekonzerns Axpo.

«Wir geben dem Strom ein Gesicht»

Die junge Oltner Energiefirma Elblox AG hat eine Plattform entwickelt, mit welcher der Kunde die Herkunft seines Stromes exakt definieren und bestellen kann. Damit soll unter anderem der lokale Stromverbrauch aus erneuerbaren Energien gefördert werden. Das Potenzial dazu sei vorhanden, sagt Frédéric Maurer, Verkaufs- und Entwicklungschef der Elblox AG. «Gerade die Corona-Krise zeigt, dass viele Konsumenten auf lokale Bezugsquellen setzen.»

Beim Einkaufen im Alltag, primär im Bereich Lebensmitteln, erhält der «Lokalaspekt» eine stetig steigende Bedeutung. Zu wissen, dass gekaufte Produkte wie Milch, Käse, Fleisch, Gemüse, Früchte mit guter Qualität in der Region produziert werden, ist ein Pluspunkt. Die aktuelle Corona-Krise verstärkt diesen Trend. Und die Regionalität wird auch in anderen Bereichen immer wichtiger, so etwa in der Energiebeschaffung.

Das haben die Gründer der Firma Elblox AG in Olten schon vor Jahren entdeckt. «Die Grundidee entstand 2015 bei einem Management-Workshop innerhalb des Schweizer Energiekonzerns «Axpo», blickt Elblox-Verkaufs- und Entwicklungschef Frédéric Maurer zurück. So wurde eine Handelsplattform für Ökostrom-Produzenten und -Konsumenten mit Echtzeit-Rückverfolgbarkeit entwickelt und gebaut. Dazu wird die sogenannte Blockchain-Technologie eingesetzt. Nach der Entwicklung des ersten Prototypes und eines ersten Einsatzes in Deutschland wurde die Elblox AG 2018 als Spin-off der Axpo gegründet. Mehrheitsaktionärin ist die Axpo, das Management besitzt einen Minderheitsanteil.

Direkter Verkaufskanal

Die digitale Plattform ermögliche den Vertrieb von Strom aus dezentralen Kraftwerken, erläutert Maurer. Und jeder Verbraucher könne den Strom direkt aus der Region einkaufen, beziehungsweise sich individuell seinen Strommix zusammenstellen, indem er den Produzenten selbst auswähle. Mit der eingesetzten Technologie lasse sich auch in Echtzeit die Stromlieferung zurückverfolgen, so dass der Kunde einen Beleg dafür habe, woher der Strom kommt, den er gerade verbrauche. Kurz: «Wir sind in der Lage, dem Strom ein Gesicht zu geben», sagt Maurer. Er spricht von einer Peer-to-Peer-Handelsplattform (P2P), um einen direkten Verkaufskanal zwischen lokalen Produzenten und Verbrauchern zu eröffnen.

Maurer zeigt den Einsatz des Systems an einem Beispiel auf: «Ich habe eine Photovoltaikanlage auf dem Dach meines Hauses und verbrauche nicht den gesamten erzeugten Strom. Mein Nachbar im Quartier will mir den überschüssigen Strom abkaufen. Dazu loggt er sich auf der Plattform ein, wählt im Marktplatz sein Profil, gibt die gewünschte Menge ein und schliesst die Bestellung ab. Im «Cockpit» kann er danach die Lieferung in Echtzeit überprüfen.» Der Verbraucher könne so seinen Strommix individuell zusammenstellen: Strom von der Solaranlage des Nachbarn, aus der Biogasanlage des Bauern im Nachbardorf oder von einem Windrad in der Region. Und der Produzent kann über die Plattform seinen Strom respektive Reststrommengen aus seinem lokalen Portfolio anbieten. Die Plattform bringe also Kunde und Stromproduzent zusammen, im Idealfall kennen sie sich sogar persönlich.

Erhoffte Strommarktliberalisierung

Was für Privathaushalte in der Schweiz nach Zukunftsmusik tönt, ist im deutschen Wuppertal bereits erfolgreich erprobt. Dort haben die Kunden des örtlichen Stadtwerkes über die digitale Elblox-Plattform schon Ende 2017 zuverlässig Strom vom Nachbarn geliefert bekommen. Aktuell seien drei Plattformen in Deutschland, Schweden und Finnland im Einsatz, erklärt Maurer. Der Grund für die momentane Absenz in der Schweiz liege in der hierzulande fehlenden Strommarktliberalisierung für Kleinkunden mit einem Verbrauch bis 100'000 Kilowattstunden im Jahr. «Deshalb sind wir mit der Plattform für kleine Verbraucher vorerst ausschliesslich im Ausland aktiv.» Elblox sei aber zuversichtlich, dass dereinst die vollständige Liberalisierung des Strommarktes den lokalen Stromverbrauch in der Schweiz fördern werde. «Wir arbeiten derzeit an entsprechenden Pilotprojekten.»

Das Potenzial in der Schweiz für den Einsatz der Peer-to-Peer-Handelsplattform für Ökostrom-Produzenten und -Konsumenten sei vorhanden. Maurer ist überzeugt, dass sich gerade nach überstandener Corona-Krise die Kunden noch mehr für lokale Produkte entscheiden werden. In der Krise habe sich gezeigt, dass viele Konsumenten stärker auf lokale Bezugsquellen und Solidarität setzten. «Unser Produkt bietet die benötigte Rückverfolgbarkeit. Damit wird auch sichergestellt, dass man lokal einkaufen kann und weiss, wohin das Geld fliesst.»

Olten ist prädestinierter Standort

Kurz nach der Gründung der Elblox AG in Baden ist das Jungunternehmen mit zehn Angestellten nach Olten gezügelt. Die Mitarbeitenden, die mehrheitlich aus Zürich und Bern kämen, seien mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs. Deshalb habe man sich für einen Standort «in der Mitte» entschieden. Dazu sei Olten als Eisenbahnknoten der prädestinierte Standort. Bislang habe sich Elblox gut entwickelt; man habe die Plattformen stetig weiter ausgebaut und neue Kundensegmente erarbeitet. Geschäftszahlen gibt Elblox nicht bekannt.